Auf den Spuren der verlorenen Gesundheit

Lukmanierpass 1’920 m.ü.M.

Motivationsschreiben

Sehr geehrter Herr Doktor Garzoli

sehr geehrtes Gremium des Bildungs-, Kultur- und Sportdepartementes des Kantons Tessin

Als junger erwachsener Schweizer Bürger hatte ich mehrere Male die Gelegenheit für ausgedehnte Zeiträume im Tessin zu sein. Als Sanitätsrekrut war ich von August bis November 1987 in der Caserma Losone stationiert, absolvierte dort die Sanitätsrekrutenschule. Kurze Zeit später, im Januar 1988, hatte ich mich für eine Militärdienstleistung in der Offizierskaserne in Tesserete aufgehalten. Dort hatte ich meine ersten Erfahrungen als künftiger Schriftsteller sammeln können: Während dreier Wochen hatten wir die Sekretariatsaufgabe, mit je einer damals modernen Kugelkopfschreibmaschine von IBM sämtliche Tagesbefehle für die bevorstehende Sanitätsoffiziersschule zu schreiben. Nach drei Wochen waren wir zwei Sanitätssoldaten Sekretariatsspezialisten im OS-Büro unter dem damaligen Adjutanten Corti: Berge von Korrespondenzen hatten wir – literarisch gesprochen – umgewälzt und abgearbeitet, abgetippt.

Ein Jahr später hatte ich mich erneut für eine längere Zeit im Tessin aufgehalten: Zum Absolvieren der Unteroffiziersschule und gleich anschliessend zur Dienstleistung des Gradabverdienens.

Hier nun geschah etwas Dramatisches und Schicksalshaftes: Platzmangel in der Kaserne wurde mit einem Aufenthalt in Torre im Bleniotal behoben; und als der Gebirgskompanie zugeloster Uof, Korporal, gehörte ich dem Tross an, die eine zweitägige Skitour unternommen und auf dem Lukmanierpass Iglus gebaut hatten. Im gleichen Monat, im April 1989, hatte ich mich für vier Tage in die Clinica Militare nach Novaggio begeben müssen. «Das Auffallendste», was der damalige Chefarzt, Herr Dr. med. Frédéric von Orelli, herausgefunden und festgehalten hatte, war die erstmalig dokumentierte «Sacroiliitis – klinisch stumm». In der Folge wurde mir nach einem «Wangenschleimhautabstrich» das Resultat offenbart: Die Diagnose lautete «Morbus Bechterew». Im floriden Stadium führte diese unheilbare Krankheit bei mir in den 90-er Jahren zur Vollinvalidität. Und genau darüber plane ich seit geraumer Zeit einen Roman zu verfassen. Auf den Spuren meiner verlorenen Gesundheit zu wandern, zu forschen, zu ergründen und zu finden! Gleichzeitig auch in der Schweizer Sonnenstube das schönste, was es landschaftlich hergibt mit den Sinnen zu erfahren, zu erleben, zu beschreiben und zu berichten. Das ist der Reiz und die Lust, was mich gestern und heute dazu bewegt und veranlasst hat – kurz vor Eingabeschluss -, mich für das Buchprojekt bei Ihnen zu bewerben.

Authentizität erreicht man als Schriftsteller, wenn man sich am Ort des Geschehens aufhält. Auf Google Maps sieht man die einzigartige Naturlandschaft nur beschränkt. Wie ein von sehr weit weg herbeigeholter Traum, das ausgedachte Romanprojekt im Maggiatal auf Papier zu bringen und druckreif werden zu lassen, dieses zur Blüte und zur Reife auszuformulieren, tönt das heute….

Ob daraus sich eine spannend zu lesende Geschichte entwickelt mit autobiografischen Spuren hintermalt, dafür bewerbe ich mich handschriftlich, aufrichtig und authentisch.

Mit freundlichen Grüssen aus Fernost

Fabian Bucher

P. S. Diese Korrespondenz finden Sie in gedruckter Form auf meiner Webseite: www.staatsschreiber.com.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s