Wie der obligatorische Militärdienst zum Desaster führte

                                                                                   Bangkok, 25.04.2021

Ölbild des Luzerner Kunstmalers Anton Buob (1964)

Guten Abend Martin!

«Fotograph und Fotoapparat sind beim Berufenen eine Einheit!»

Es freute mich gestern, Dich bei Deiner «Berufung» angetroffen zu haben. – Was mich ebenso gefreut hat, dass Du freundlich warst und Dir (kurz) mein Anliegen anhörtest. Damit Du verstehst, weshalb ich nach so vielen Jahren mich bei Dir melde und anfrage, wie Du diesen Abgang erlebt und verkraftet hattest, will ich Dir (nicht ungekürzt) meinen Rausschmiss schildern: Es war der Paragraph 84 des MVG, welcher meinen Hausarzt 1991 veranlasste, das positive Gentestresultat (HLA-B27) der Militärbehörde zu melden – ohne mich vorgängig zu informieren, dass das Arzt-/Patientengeheimnis durch diesen MVG 84-Artikel ausser Kraft gesetzt werde.

Nach Murphy’s Gesetz: «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.» Eine Beschwerde gegen den in der Folge mir zugestellten Dienstuntauglichkeitsbescheid bedurfte eine Zweitmeinung eines anderen Arztes. – Es folgte ein Nervenzusammenbruch: Zwei «Dienstuntauglich»-Stempel waren zuviel zum Verkraften! Die Tragödie ist, dass ich seither nicht mehr (im primären Arbeitssektor) gearbeitet habe. Die Invalidenversicherung finanzierte noch zwei Umschulungen: eine zum eidgenössischen Marketingplaner und eine zweite zum Kaufmann. Seit 01.01.1997 bin ich Vollinvalid, die MEDAS, die Medizinische Abklärungsstelle stellte nach einem ausführlichen Gesundheitscheck fest, dass eine volle, ganze Rente gerechtfertigt sei. Im Kalenderjahr 2004, mithilfe von Google und Internetrecherchen, fand ich heraus, dass die lebenslange unheilbare Krankheit «Spondylitis Ankylosans» durch ungünstige Umweltfaktoren wie Nässe, Kälte, Feuchtigkeit zum Ausbruch führen können. Beim Abverdienen des Korporalsgrades war ich in der Gebirgskompanie zugeteilt. Im Winterhalbjahreskurs anno 1989 kam es nach dem Iglubau auf dem Lukmanierpass und der darauffolgenden Igluübernachtung zum Ausbruch des Morbus Bechterew: sehr gut dokumentiert ist der Vorfall aufgrund der Hospitalisierung im Militärspital von Novaggio, wo der Militärarzt, Dr. med. Frédéric von Orelli, ein mehrseitiges Arztzeugnis ausfertigte.

Nun, während der letzten 30 Jahre verbrachte ich fast 20 davon in Thailand, weil mein damaliger Hausarzt nach der Diagnosestellung mittels eines Gentests mir geraten hatte, täglich eine Tablette (Cox-2-Hemmer) zu schlucken, um ohne grössere Schübe durchs Leben zu kommen, oder aber in ein wärmeres Land zu gehen.

Dass ich damals nicht auf die Kapverdischen Inseln, sondern nach Thailand gereist war, war purer Zufall und einem Jugendfreund, einem Pfadfinder zu verdanken.

Übrigens: Die ausführliche, ursprüngliche Fassung von Murphy’s Gesetz lautet so: «Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen».

Nun hast du die Kurzfassung meiner Militärischen Karriere erfahren. – Gerne hätte ich nun von Dir gehört, wie ein «Restaurant»-Besuch zu Deinem Desaster führte.

Viele Grüsse

Fabian Bucher

P. S. Unter www.staatsschreiber.com findest Du die gedruckte Version.

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