Doktortitel wird mit Erteilung der Doktorwürde verleiht – nicht vorher

Departement für Innere Medizin, Universitätsspital Zürich

Vorsteher: Prof. Dr. med. F. Follath

Medizinische Poliklinik

Direktor: Prof. Dr. med. W. Vetter

Arbeit unter Leitung von Prof. Dr. med. W. Vetter

Gesundheitsverhalten und Informationsstand von Patienten der Medizinischen Poliklinik Zürich bezüglich kardiovaskulärer Risikofaktoren

Ergebnisse einer Umfrage im Jahre 1990

Inaugural-Dissertation

Zur Erlangung der Doktorwürde der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich

Vorgelegt von

Karin Barbara Oberbörsch

Von Zürich

Genehmigt auf Antrag von Prof. Dr. med. W. Vetter

Zürich 1992

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S                                                                                                                               Seite

  1. Einführung                                                                                                                                                3
  1. Patienten und Methode                                                                                                                      3

Methode                                                                                                                                                   3

Patienten                                                                                                                                                   4

  1. Resultate                                                                                                                                                   6
  2. Beachtung der Ernährung                                                                                                            6
  3. Kenntnis persönlicher Daten                                                                                                      8
  4. Kenntnis möglicher Folgen                                                                                                        13
  5. Ernährungsberatung                                                                                                                   14
  1. Diskussion                                                                                                                                               16

Ernährungsbeachtung                                                                                                                        16

Körpergewicht                                                                                                                                       16

Kalorienzufuhr                                                                                                                                       18

Blutdruck                                                                                                                                                 19

Cholesterinspiegel                                                                                                                               20

Folgen                                                                                                                                                       21

Ernährungsberatung                                                                                                                           22

Zusammenfassung                                                                                                                                                       24

Literaturangaben                                                                                                                                                          26

Anhang: Fragebogen                                                                                                                                                   29

Curriculum vitae                                                                                                                                                           34

Danksagung                                                                                                                                                                    35

  1. EINFÜHRUNG

In den industrialisierten Ländern sind Herz- und Kreislauferkrankungen die häufigsten Todesursachen (1,2). In den Vereinigten Staaten machen die kardiovaskulären Erkrankungen zusammen mit Krebs und Apoplexien heutzutage mehr als zwei Drittel aller Todesfälle aus (3), in Österreich sind Herz-Kreislauferkrankungen für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich (4).

Als Hauptrisikofaktoren kardiovaskulärer Krankheiten sind in erster Linie Hypertonie, Hypercholesterinämie, Rauchen, Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität zu nennen (5, 6), aber auch psychosoziale Faktoren spielen keine unwesentliche Rolle (7, 8).

Alle genannten Risikofaktoren sind weitgehend durch die Ernährungs- bzw. Lebensweise beeinflussbar, was mit zahlreichen Studien belegt wurde (2, 7, 9, 10, 11).

Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Selbsteinschätzung von Patienten der medizinischen Poliklinik Zürich bezüglich gesundheitsbewusster Ernährung und Lebensweise und deren Kenntnis kardiovaskulärer Risikofaktoren zu prüfen.

  1. PATIENTEN  UND  METHODE

Methode

In die vorliegende Untersuchung wurden sämtliche Patienten der Medizinischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich aufgenommen, die ihr Einverständnis zu einer Befragung in Form eines anonymen Fragebogens gegeben hatten.

Der in deutscher Sprache abgefasste Fragebogen wurde an verschiedenen Tagen innerhalb eines Monats im Wartesaal der Medizinischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich zum selbständigen Ausfüllen verteilt und anschliessend sofort wieder eingesammelt. Es war ständig eine über den Fragebogen orientierte Person im Wartesaal anwesend, sodass die Patienten Gelegenheit hatten, bei allfällig auftretenden Unklarheiten nachzufragen.

Der Fragebogen beinhaltete Fragen zu Ernährungsgewohnheiten bezüglich Kalorien-, Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme, sowie Fragen betreffend Kenntnis möglicher Folgen obiger Nahrungsmittel als kardiovaskuläre Risikofaktoren. Ferner Fragen über persönliche physische Daten wie Gewicht und Grösse zur Berechnung des Body Mass Index (Der Body Mass Index berechnet sich aus dem Gewicht dividiert durch das Quadrat der Länge. BMI-Werte: unter 15 = Magersucht, 15 – 18,9 = Untergewicht, 19 – 24,9 = Normalgewicht, 25 – 29,9 = Übergewicht, 30 – 39,9 = Adipositas, über 40 = Adipositas permagna), geschätzte durchschnittliche tägliche Kalorienaufnahme, Blutdruck, Cholesterinspiegel sowie Fragen zur individuellen Lebensweise (Rauchen, Alkohol- und Medikamentenkonsum, Schlaf, sportliche Aktivität).

Der Fragebogen war in Form von Ankreuzfragen mit Einfach- zum Teil Mehrfachantworten abgefasst. Bei den Fragen über die Kenntnis möglicher Folgen bei zu hoher Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel musste für eine gültige, als positiv anerkannte Antwort zusätzlich eine richtige Folgeerscheinung aufgeschrieben werden. Bei Angabe einer Auswahlsendung von richtigen und falschen Antworten wurde die Frage als «nicht beantwortet» bewertet.

Patienten

Insgesamt wurden 200 Personen jeden Alters und jeder Nationalität befragt, je 100 Frauen und 100 Männer. Das durchschnittliche Alter der befragten Frauen betrug 45,9 Jahre (+/- 20), dasjenige der Männer 45,6 Jahre (+/- 18). Nebst der Aufteilung des Patientenguts in weibliche und männliche Untersuchungsteilnehmer wurden dieselben noch in zwei Altersgruppen unterteilt: 15 – 49 Jahre (Total: 112, 58 Frauen und 54 Männer) und 50 – 85 Jahre (Total: 88, 42 Frauen und 46 Männer).

Von sämtlichen befragten Patienten gaben 16,5 % an, wegen erhöhtem Blutdruck und ebenfalls 16,5 % wegen Herzbeschwerden in ärztlicher Behandlung zu sein. 8,5 % aller Befragten liessen sich wegen Diabetes, 8 % wegen Adipositas und 5 % (2 % aller Männer, 8 % aller Frauen) wegen Hypercholesterinämie von einem Arzt behandeln. 29 % gaben andere Beschwerden an, weswegen sie momentan zum Arzt gehen und 41,5 % beantworteten die Frage nicht.

73 % aller befragten Patienten waren Nichtraucher, wovon 18 % ehemalige Raucher. Bei den unter 50-Jährigen waren noch 32 % Raucher, wenig mehr Männer als Frauen. (33 % der unter 50-j. Männer und 31 % der unter 50-j. Frauen.) Die 25 % der über 50-jährigen Ex-Raucher machten 25 % aller älteren Männer und 14 % aller über 50-jährigen Frauen aus.

Täglicher Alkoholkonsum kam bei 15 % aller über 50 Jahre alten Befragten vor (öfters bei Männern), im Gegensatz zu 8 % bei den unter 50-Jährigen. 27 % aller unter 50-Jährigen kamen 1 – 3 mal pro Woche in den Genuss alkoholischer Getränke, wohingegen nur noch 16 % der älteren Patienten. 64 % aller Befragten gaben an, selten oder gar nie Alkohol zu trinken.

83 % aller befragten über 50-Jährigen nahmen Medikamente ein, Männer etwa gleich häufig wie Frauen. Bei den jüngeren Patienten nahmen 71 % der Frauen und 52 % der Männer Medikamente. Bei den unter 50-jährigen Patienten verneinten 33 % eine Medikamenteneinnahme im Gegensatz zu 16 % bei den über 50-Jährigen.

Sport trieben 48 % aller Befragten, in der Häufigkeit von 1 bis 3 mal pro Monat bis täglich. 38 % aller Patienten gaben an, sich nicht oder nur sehr selten sportlich zu betätigen. Sowohl bei den Männern wie auch Frauen trieben mehr über 50-Jährige täglich Sport (8 % bei den > 50- J. im Gegensatz zu 6 % bei den < 50-J.) Die jüngeren Männer und Frauen waren ungefähr doppelt so häufig 1 bis 3 mal wöchentlich (nämlich 35 % gegenüber 18 %) oder 1 bis 3 mal pro Monat (16 % gegenüber 9 %) sportlich aktiv als die älteren.

  1. RESULTATE
  1. Beachtung der Ernährung

Tab. 1 zeigt, dass die grosse Mehrheit der befragten Patienten auf die Ernährung im Allgemeinen und auch im Speziellen achtete, die Frauen generell etwas häufiger als die Männer.

Bei den Männern achteten 84,8 % der über 50-Jährigen und bei den Frauen 89,6 % Jüngeren auf die Ernährung.

Wie aus Tab. 1 ersichtlich ist, achteten die Befragten in absteigender Reihenfolge auf die Menge aufgenommenen Zuckers, dann folgten Salz, zugeführte Fettmenge und an letzter Stelle die Beachtung der Kalorien. Hier gaben fast ein Drittel der Patienten an, nicht darauf zu achten.

Vor allem die über 50-Jährigen beider Geschlechter achteten auf Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme, wobei die Frauen beim Salz und Fett häufiger als die Männer.

Die Kalorienaufnahme beachteten jüngere und ältere Frauen praktisch gleich oft, im Gegensatz zu den Männern, wo die älteren häufiger auf die Kalorien achteten als die unter 50-Jährigen.

Tab. 1:          Prozentualer Anteil von Befragten, welche angaben, auf Ernährung, Kalorien-, Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme zu achten.

 ErnährungKalorienSalzFettZucker
Gesamtkollektiv82,565716672
Gesamtkollektiv nach Alter < 50 J.> 50 J.    82,1 83,0    62,5 68,2    62,5 81,8    61,6 71,6    67,9 77,3
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  74,1 84,8   89,6 81,0  53,7 65,2   70,7 71,4  59,3 78,3   65,5 85,7  59,3 69,6   63,8 73,8  66,7 78,3   69,0 76,2

32 % aller Befragten benutzten regelmässig künstliche Süssstoffe wie Assugrin, respektive zogen Light-Getränke vor. Bei den Männern waren dies 37 % der über 50 jährigen Patienten (gegenüber 20 % der Jüngeren), bei den Frauen hingegen mit knapper Mehrheit die jüngeren Befragten mit 36,2 % (gegenüber 35,7 % der älteren).

68,5 % sämtlicher befragter Patienten benutzten pflanzliche anstelle von tierischen Fetten, wie zum Beispiel Margarine anstatt Butter, die Männer, wie aus Abb. 1 zu entnehmen ist, etwas häufiger als die Frauen. Vollfettkäse wurde von 42 % aller Frauen durch Magerkäse ersetzt, bei den Männern waren es genau halb so viele.

Tab. 2 zeigt, dass bei Männern und Frauen vor allem die über 50-Jährigen pflanzlische Fette und Magerkäse bevorzugten. Milchdrink wurde vorzugsweise von den älteren Männern konsumiert. Bei den Frauen waren es umgekehrt die unter 50-Jährigen, die der Vollmilch die teilentrahmte Milchdrink vorzogen.

Light-Produkte wurden von Männern und Frauen praktisch gleich häufig konsumiert. Mehr ältere als jüngere Männer kochten mit Light-Produkten, bei den Frauen waren es öfters die jüngeren, die Light-Produkte verwendeten.

Tab. 2: Prozentualer Anteil der älteren und jüngeren Befragten, welche pflanzliche Fette, Magerkäse, Milchdrink, Light-Produkte verwenden.

 pflanzl. FetteMagerkäseMilchfrinkLight-Produkte
Gesamtkollektiv nach Alter < 50 J.> 50 J.    59,8 79,5    25,8 36,4    42,0 36,4    31,2 28,4
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  59,2 87,0   60,3 71,4  18,5 23,9   36,2 50,0  37,0 45,7   46,6 26,2  27,8 32,6   34,5 23,8
  • Kenntnis persönlicher Daten

Körpergewichtsverhalten

97 % aller Befragten konnten Gewicht und Grösse angeben. Aus der Berechnung des Body Mass Index ergab sich, wie Tab. 3 zeigt, dass 58,8 % sämtlicher befragter Patienten normalgewichtig waren. 6,5 % waren untergewichtig, wobei in dieser Kategorie überwiegend die unter 50 jährigen Frauen vertreten waren.

70 % aller unter 50 jährigen Männer waren normalgewichtig gegenüber knapp 44 % der über 50 jährigen Männer. Bei den Frauen hatten zwei Drittel der jüngeren ein normales Gewicht, ebenso gut die Hälfte der über 50-Jährigen. Bei beiden Geschlechtern waren die älteren Befragten häufiger zu schwer. Stark übergewichtig waren mehr jüngere als ältere Männer, wohingegen es bei den Frauen umgekehrt war.

Gesamthaft waren 40 % aller befragten Männer und 24 % aller befragten Frauen übergewichtig.

Tab. 3: Körpergewichtsverhalten der Befragten nach Body Mass Index (Angaben in Prozent)

 Normal- gewichtUnter- gewichtÜber- gewichtAdipositasAdipositas permagna
Gesamtkollektiv58,56,5274,50,5
Gesamtkollektiv nach Alter < 50 J.> 50 J.    67,0 47,7    9,8 2,3    16,9 39,8    3,6 5,7    0 1,1
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  70,4 43,5   63,8 52,4  1,8 2,2   17,2 2,4  22,2 50,0   12,1 28,6  5,6 4,3   1,7 7,1  0 0   0 2,4

Von den unter 50 jährigen Männern wollten ein Drittel ihr Gewicht ändern, bei den älteren waren es 46 %. Bei den jüngeren Frauen hätten genau die Hälfte ihr Gewicht gern geändert. Die über 50 jährigen Frauen waren zu je 45 % mit ihrem Gewicht zufrieden, resp. wollten es ändern.

Kalorienzufuhr

64,5 % aller Befragten glaubte, ihre durchschnittliche, täglich aufgenommene Kalorienmenge zu kennen.

36,5 % schätzten sich bei einer täglichen Kalorienzufuhr zwischen 1500 und 2500 kcal ein.

Abb. 2 zeigt, dass die Männer ihr Maximum bei einer gschätzten Kalorienaufnahme von 2000 – 2500 kcal pro Tag hatten, wobei hier die unter 50 Jährigen mit 26 % und die älteren mit 20 % vertreten waren. Die unter und über 50 jährigen Frauen glaubten mehrheitlich, täglich nicht mehr als 1500 – 2000 kcal zuzuführen.

Abb. 2: Geschätzte tägliche Kalorienzufuhr für Frauen und Männer (Angaben in Prozent)

36,5 % aller Befragten konnten sich nicht einschätzen oder gaben keine Antwort auf diese Frage. Bei Männern und Frauen waren es mehr über 50 Jährige, die keine Vorstellung davon hatten, wieviele Kalorien sie täglich zu sich nehmen, d. h., gesamthaft waren es 43,1 % der älteren Befragten gegenüber 31,2 % der jüngeren, die die tägliche Kalorienzufuhr nicht kannten oder die Frage nicht beantworteten.

Blutdruck

85,5 % aller Befragten hatten Kenntnisse über ihr Blutdruckverhalten, d. h., sie konnten zumindest angeben, ob dieser normal, zu hoch oder zu tief war. 45 % waren sogar in der Lage, einen genauen Blutdruckwert anzugeben.

Abb. 3 zeigt, dass gut zwei Drittel aller Männer im Vergleich zu etwas mehr als der Hälfte der Frauen einen normalen Blutdruck hatten. Frauen gaben häufiger als Männer einen zu hohen Blutdruck an. Ebenso sagten mehr Frauen als Männer, sie hätten einen zu tiefen Blutdruck.

Abb. 3: Prozentualer Anteil von befragten Frauen und Männern über ihr Blutdruckverhalten.

Tab. 4 dokumentiert, dass fast drei Viertel aller über 50 jährigen Männer behaupteten, einen normalen Blutdruck zu haben, bei den jüngeren Männern gaben knapp zwei Drittel einen normalen Blutdruck an. 57 % aller jüngeren Frauen hatten einen normalen Blutdruck und etwas weniger als die Hälfte der über 50 jährigen.

Jüngere und ältere Männer gaben gleich oft einen zu hohen Blutdruck an, wohingegen die über 50 jährigen Frauen häufiger als die jüngeren Frauen erhöhte Blutdruckwerte hatten.

Die über 50 jährigen Männer wollten öfters als die unter 50 jährigen Männer einen zu tiefen Blutdruck haben, Die jüngeren Frauen waren hier mit knapp einem Viertel vertreten.

Tab. 4: Prozentualer Anteil der Altersgruppen bezüglich Blutdruckverhalten

 normalzu hochzu tief
Gesamtkollektiv60,515,59,5
Gesamtkollektiv Nach Alter > 50 J.> 50 J.    60,7 60,2      8,9 23,5    14,3   3,4
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  64,8 71,7   56,9 47,6  13,0 13,1     5,2 35,7    3,7   6,5   24,1    0

16 % der unter 50 jährigen Befragten im Vergleich zu 12,5 % der über 50-Jährigen kannten ihren Blutdruck nicht oder beantworteten die Frage nicht.

Cholesterinwerte

Aus Tab. 5 lässt sich entnehmen, dass knapp die Hälfte aller Befragten wussten, ob ihr Cholesterinspiegel normal oder zu hoch war, die andere Hälfte der Studienteilnehmer konnte keine Angaben dazu machen, wobei 64 % der jüngeren Frauen und 56 % der jüngeren Männer keine Ahnung davon hatten.

Die Hälfte aller über 50 jährigen befragten Patienten gab an, einen normalen Cholesterinspiegel zu haben. Einen zu hohen Cholesterinspiegel gaben mehr jüngere Frauen als jüngere Männer an, bei den über 50 Jährigen hatten fast doppelt so viele Frauen wie Männer erhöhte Cholesterinwerte.

Tab. 5: Prozentualer Anteil der Befragten bezüglich Kenntnis ihres Cholesterinspiegels.

 normalZu hoch
Gesamtkollektiv nach Alter38, 5  9,5
Gesamtkollektiv nach Alter < 50 J.> 50 J.  29,5 50,0  4,5 15,9
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  38,9 54,3   20,7 45,2  1,9 10,9   6,9 21,4
  1. Kenntnis möglicher Folgen

Aus Tab. 6 geht hervor, dass 56,5 % aller befragten Patienten über mögliche Folgen von Übergewicht informiert waren.

Etwas mehr als ein Drittel aller Befragten waren über Folgen der Hypercholesterinämie orientiert, besser bekannt waren Folgen über Salz- und Zuckeraufnahme.

Die unter 50 jährigen Patienten kannten häufiger Folgen von Übergewicht, zu hoher Salzaufnahme und Hypercholesterinämie als die älteren Befragten. Fast die Hälfte der älteren Männer gaben, gegenüber etwas mehr als einem Drittel der unter 50 jährigen Männer, beim Zucker korrekte Antworten bezüglich möglicher Folgen erhöhter Aufnahme. Beim Übergewicht waren mehr jüngere Männer als jüngere Frauen informiert, wohingegen umgekehrt bei den über 50-Jährigen mehr Frauen als Männer über mögliche Folgen Bescheid wussten.

Folgen übermässiger Salzaufnahme waren knapp der Hälfte aller befragten Frauen und gut einem Drittel aller befraten Männer bekannt.

Beim Cholesterin waren 40 % aller Frauen gegenüber 32 % aller Männer über mögliche Folgen erhöhter Aufnahme informiert, bei den unter 50 jährigen Frauen waren es sogar fast die Hälfte, die Folgen nennen konnten.

Tab. 6: Prozentualer Anteil von Befragten, welche mögliche Folgen von Übergewicht, zu hoher Salzaufnahme, Hypercholesterinämie und zu hoher Zuckeraufnahme kannten.

 ÜbergewichtZu hohe SalzaufnahmeHyperchole- SterinämieZu hohe Zuckeraufnahme
Gesamtkollektiv56,5413642
Gesamtkollektiv Nach Alter < 50 J.> 50 J.    61,6 50,0    51,8 27,3    41,1 29,5    42,0 42,0
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  64,8 45,7   58,6 54,8  50,0 17,4   53,5 38,1  35,2 28,3   46,6 31,0  35,2 45,7   48,3 38,1
  • Ernährungsberatung

75 % aller Männer und 71 % aller Frauen, d. h., insgesamt 73 % aller Befragten gaben an, Empfehlungen bezüglich gesünderer Lebensweise berücksichtigen zu würden.

Aus Tab. 7 ist ersichtlich, dass je etwa vier Fünftel der jüngeren Männer und Frauen glaubten, dass sie Empfehlungen berücksichtigen würden. Bei den älteren Männern waren dies etwas mehr als zwei Drittel und bei den älteren Frauen etwas mehr als die Hälfte, die bereit gewesen wären, sich von gewohnten Lebensformen abbringen zu lassen.

Bei den über 50-Jägrigen waren es 14 % Frauen und 11 % Männer, die keine Empfehlungen befolgen würden.

Insgesamt besuchten oder hatten 18 % aller Männer und 19 % aller befragten Frauen eine Ernährungsberatung besucht, wobei sich die über 50-Jährigen, wie Tab. 7 zeigt, öfters als die jüngeren Befragten bezüglich für sie gesünderer Ernährung hatten beraten lassen.

Tab. 7: Prozentualer Anteil der Befragten, die Empfehlungen bezüglich gesünderer Lebensweise berücksichtigen würden und Anteil der Befragten über den Besuch einer Ernährungsberatung.

 Berücksichtigung von EmpfehlungenErnährungsberatung
Gesamtkollektiv73,018,5
Gesamtkollektiv nach Alter < 50 J.> 50 J.    81,2 62,5    12,5 26,1
Subkollektive Männer < 50 J. Männer > 50 J.   Frauen < 50 J. Frauen > 50 J.  81,5 67,4   81,0 57,1  13,0 23,9   12,1 28,6

IV           DISKUSSION

Ernährungsbeachtung

Insgesamt 82,5 % aller Befragten gaben an, auf die Ernährung zu achten, dies sind fast 10 % mehr als bei einer Repräsentativbefragung in Österreich (12) festgestellt wurde, wo sich knappe drei Viertel der Bevölkerung für ernährungsbewusst hielt.

Bestätigt wird in der vorliegenden Untersuchung die bereits in Österreich gemachte Feststellung, dass Frauen gesamthaft ernährungsbewusster sind als Männer.

Interessanterweise achteten jedoch die über 50 jährigen befragten Männer häufiger auf die Ernährung als ihre jüngeren Geschlechtsgenossen, wohingegen es bei den Frauen gerade umgekehrt war. Möglicherweise lässt sich diese Feststellung damit erklären, dass die jüngeren Frauen in der Regel für Kinder und Ehemann kochen und in dieser Weise für deren Wohlergehen verantwortlich sind, weshalb sie auch vermehrt auf eine gesunde Ernährung achten. Bei den älteren Menschen dürften hingegen eher bereits bestehende Beschwerden und Krankheiten für die Beachtung der Ernährungsweise verantwortlich sein. Hier unterschieden sich denn auch die Männer mit 85 % nicht gross von den Frauen mit 81 % ernährungsbewusster Einstellung.

Führend in der Beachtung der Aufnahmemenge war in der vorliegenden Untersuchung der Zucker (72 %), direkt gefolgt vom Salz. Viel schlechter schnitten die Beachtung des Fetts mit «nur 66 % und der Kalorien (65 %9 ab. In Österreich lag offenbar die Hauptaufmerksamkeit der Bevölkerung in der Beachtung der Fettaufnahme, dann folgten Zucker und Kalorien und Salz erst an letzter Stelle.

Auf Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme achteten vor allem die über 50 jährigen Patienten unserer Studie. Erklärbar ist dies wahrscheinlich mit der spezifischeren Aufklärung, die diesen Menschen zuteil wird, da mehr ältere Personen an Krankheiten wie Hypertonie, Hypercholesterinämie, Übergewicht und Diabetes leiden und deswegen ärztlich betreut werden (7). Die zugeführte Kalorienmenge wurde von den Frauen beider Altersgruppen öfters beachtet, als dies bei den Männern der Fall war. Dass Frauen in stärkerem Ausmass um ihre Linie besorgt sind, zeigte sich auch in der Verwendung künstlicher Süssstoffe wieder, wo insgesamt mehr Frauen als Männer ihre Speisen und Getränke regelmässig mit Assugrin und ähnlichem süssten.

Die Benutzung pflanzlicher anstelle von tierischen Fetten erfreut sich grosser Beliebtheit. Mehr als zwei Drittel aller Befragten gaben an, pflanzliche Fette zu verwenden. Eine Untersuchung in vier Schweizer Städten (13) ergab, dass insgesamt 26 % der Deutschschweizer vorwiegend Margarine als Streichfett benutzen.

Die weit höhere Prozentangabe in der vorliegenden Untersuchung erklärt sich dadurch, dass hierin nicht nur Patienten enthalten sind, die praktisch ausschliesslich Margarine als Streichfett verwenden, sondern auch diejenigen, welche Margarine nicht vorwiegend benutzen und solche, die auch andere pflanzliche Fette zum Kochen verwenden.

40 % aller Befragten tranken Milchdrink anstelle von Vollmilch, wohingegen in oben genannter Studie nur 28,3 % der Deutschschweizer und noch weniger Welschschweizer und Ausländer Milchdrink konsumierten.

Nur teilweise bestätigt wird der ebenfalls in oben angeführter Studie (13) festgestellte Umstand, dass vor allem jüngere Menschen Vollmilch trinken. In der vorliegenden Untersuchung gaben insgesamt doch 42 % aller unter 50 jährigen Befragten gegenüber 36 % aller über 50-Jährigen an, Milchdrink zu verwenden.

Bei den Männern war Milchdrink vor allem bei den über 50-Jährigen beliebt, wohingegen es bei den Frauen gerade umgekehrt war. Die teilentrahmte Milchdrink wurde mit grosser Mehrheit (47 %) von den jüngeren Frauen bevorzugt.

Vollfettkäse wurde von 42 % aller Frauen durch Magerkäse ersetzt, bei den Männern waren es interessanterweise nur gerade halb so viele. Dass diese, wie schon oben erwähnte Diskrepanz zwischen Männer und Frauen, was die Beachtung der Ernährung angelangt, ausgerechnet beim Käse so deutlich zutage tritt, mag seine Ursache darin haben, dass beim Käse auch geschmacklich ein grosser Unterschied zwischen beiden angebotenen Waren besteht, was bei den anderen angeführten Nahrungsmitteln weniger der Fall ist.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass, wie in der österreichischen Repräsentativbefragung (12) festgestellt wurde, für die Hälfte der Bevölkerung bei der Ernährung in erster Linie wichtig ist, satt zu werden und dass es ihnen gut schmeckt. Eine Umfrage bei amerikanischen Ärzten ergab, dass nur 25 % der Befragten eine gesunde Diät für schmackhaft hielten (24).

Da der Geschmack eines Nahrungsmittels in Bezug auf die Ernährung doch eine wichtige Rolle spielt und die Männer insgesamt weniger an einer Gewichtsreduktion interessiert sind als die Frauen, sind sie wahrscheinlich auch weniger bereit, auf Kosten des guten Geschmacks ein Nahrungsmittel gegen ein gesünderes einzutauschen. Insgesamt waren es in unserer Studie im Vergleich der Altersgruppen vorwiegend die älteren Befragten, welche pflanzliche Fette und Magerkäse bevorzugen.

Light-Produkte wurden von Männern und Frauen gesamthaft gleich häufig konsumiert, allerdings stellt man bei der Altersaufteilung fest, dass überwiegend die älteren Männer mit 33 % (gegenüber 28 % der jüngeren) mit Light-Produkten kochen, hingegen die älteren Frauen sich offenbar nicht mehr für Neuheiten entschliessen können und so mit 24 % gegenüber 35 % der unter 50 j. Frauen weit zurücklagen.

Körpergewicht

Die vorliegende Untersuchung bestätigt einmal mehr die Zunahme des Massenindex mit dem Alter, was schon zahlreiche früher durchgeführte Studien ergeben haben. Ebenso bestätigt wird die in der Monica-Studie (7) festgestellte Tatsache, dass in allen Altersklassen mehr Männer übergewichtig sind als Frauen, was im Gegensatz zu verschiedenen in anderen Populationen durchgeführten Untersuchungen steht (14, 15, 16). Auch dass man Untergewicht am häufigsten bei jüngeren Frauen findet, entspricht dem, was schon in anderen Studien (7, 13) mitgeteilt wurde.

Von den unter 50 jährigen Männern wollten ein Drittel ihr Gewicht ändern, was recht gut mit den 28 % übergewichtiger junger Männer übereinstimmt. Bei den über 50 jährigen Männern wollten 46 % ihr Gewicht ändern, 54 % waren aber übergewichtig.

Die Hälfte aller jüngeren Frauen hätte gern ihr Gewicht geändert, obwohl nur 14 % übergewichtig waren. Zusammen mit den 17 % Untergewichtigen ergab dies 31 % jüngere Frauen, die Grund gehabt hätten, ihr Gewicht ändern zu wollen und doch waren so viele mehr mit ihrem Gewicht nicht zufrieden.

Auch hier tritt wieder zutage, dass Männer offenbar besser als Frauen in der Lage sind, mit einem vielleicht nicht ganz vorteilhaften Äusseren zurechtzukommen. Es ist anzunehmen, dass der Versuch ein ideales Körpergewicht zu erreichen oder zu halten, vor allem bei den jüngeren Befragten viel eher druch den Wunsch, den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen, beseelt ist – dies in viel stärkerem Ausmass bei den Frauen –, als durch das Wissen um mögliche gesundheitliche Folgen von Übergewicht.

Bei den über 50 jährigen Befragten dürften hingegen überwiegend gesundheitliche Gründe für den Gewichts-Änderungswunsch verantwortlich sein. Hier gaben auch praktisch gleich viele Männer wie Frauen an, ihr Gewicht ändern zu wollen.

Kalorienzufuhr

Interessanterweise schätzte sich die grosse Mehrheit derer, die ihre tägliche Kalorienzufuhr zu kennen glaubten, bei einer Kalorienaufnahme zwischen 1500 und 2500 kcal pro Tag ein, was in Anbetracht von gesamthaft 32 % übergewichtiger Patienten sicher zu wenig ist. Die Frauen hatten ihr Maximum bei einer geschätzten Aufnahme von 1500 – 2000 kcal/Tag, die Mehrheit der Männer glaubte, täglich zwischen 2000 und 2500 kcal aufzunehmen.

Gemäss dem ersten schweizerischen Ernährungsbericht von 1975 (17) nimmt der durchschnittliche Kalorienverbrauch jährlich langsam wieder ab, nachdem er vor etwa 20 Jahren ein Maximum erlebt hatte, und wird für das Jahr 1980 auf 3120 kcal pro Kopf und Tag geschätzt. Man kann annehmen, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Kalorienverbrauch in den letzten zehn Jahren auch noch weiter zurückgegangen ist und jetzt zirka zwischen 2800 (13) und 3000 kcal (bei einer Verminderung von jährlich 0,5 % nach Brugger (18)) liegt.

Es ist bereits im Rahmen anderer Studien festgestellt worden, dass die befragten Personen dazu neigen, ihre tägliche Kalorienzufuhr zu unterschätzen. Im ersten schweizerischen Ernährungsbericht ergab sich bei Altersheiminsassen ein durchschnittlicher Fehler von – 20 %. Das entspricht in diesem Fall hier einer zu tiefen Einschätzung um 560 – 600 kcal. Anlässlich der Stanford Three Community durchschnittlichen Kalorienaufnahme von 2075 kcal pro Tag.

Über ein Drittel aller Befragten sah sich nicht in der Lage, ihre tägliche Kalorienzufuhr einzuschätzen, wobei bei beiden Geschlechtern mehr über 50-Jährige keine Angaben machen konnten.

Das mag wohl daran liegen, dass das «Kalorienzählen» eine relativ neue Erscheinung ist und bekanntlich ältere Menschen häufig nicht viel von neumodischen Dingen halten, weil diese oft für sie zu umständlich zu erlernen oder schlichtwegs zu kompliziert sind.

Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass die Einschätzung des Kaloriengehalts von Speisen den meisten Menschen Mühe bereitet, obwohl die Nahrungsmittelindustrie seit Jahren die Verpackungen mit Kalorienangaben über den Inhalt versieht.

Blutdruck

Ein Grossteil aller Befragten (85 %) wusste insofern über ihren Blutdruck Bescheid, als sie angeben konnten, ob dieser normal, zu hoch oder zu tief war. Fast die Hälfte dieser Personen konnte auch einen gemessenen Wert angeben, wobei dies zu 8 % häufiger die jüngeren Befragten waren. Mit vier Ausnahmen stimmten bei den über 50-Jährigen die angegebenen Werte mit den Aussagen «normal, zu hoch, zu tief» überein, bei de unter 50-Jährigen war eine Aussage falsch. Teilnehmer einer amerikanischen Studie (20) kannten zu 73 % ihren Blutdruck.

Die vorliegende Untersuchung bestätigt, wie anderweitig (7, 21) bereits festgestellt wurde, dass der Blutdruck bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter ansteigt. Ebenso bestätigt wird, dass Männer in jüngeren Altersgruppen im Durchschnitt höhere Werte als Frauen haben (21, 22). In dieser Befragung hier gaben 13 % der unter 50 jährigen Männer gegenüber 5 % der jüngeren Frauen einen zu hohen Blutdruck an.

Nach Angaben einer Studie in vier Schweizer Städten (21) beträgt die Prävalenz der Hypertonie bei Männern 14 %, bei Frauen 14,3 %. In der vorliegenden Untersuchung sagten 13 % der Männer und 18 % der Frauen aus, sie seien hyperton, gesamthaft sind dies 15,5 % aller Befragten. Zum Vergleich seien hier die Prävalenzzahlen anderer Studien angeführt: Basler Mustermesse 1974 19 %, Medizinische Poliklinik Zürich 1975 10,4 %, Schirmbild und Blutdruckmessung im Kanton Bern 1977 14,6 %. Oben genannte amerikanische Studie (20) ergab 17,7 % an Bluthochdruck leidende Testpersonen. Diese unterschiedlichen Ergebnisse sind sicher zum Teil auf unterschiedliche Messmethodik, Art und Aufbau des untersuchten Kollektivs und Anzahl der Messungen zurückführbar. Hinzu kommt, dass es sich in der vorliegenden Studie nur um erfragte Blutdruckwerte handelt, die nicht durch Messungen verifiziert wurden. Bemerkenswerterweise gaben bei den über 50 jährigen Männern 72 % an, einen normalen Blutdruck zu haben., hingegen nur 65 % der jüngeren Männer. Dies lässt sich wahrscheinlich zumindest teilweise dadurch erklären, dass 17 % der jüngeren Männer aussagten, keine Angaben über ihren Blutdruck machen zu können gegenüber nur 6,5 % der älteren Männer. Ein guter Teil dieser 17 % dürfte noch unter die normotonen Männer fallen. Zudem ist anzunehmen, dass bei den älteren Männern auch behandelte Hypertoniker angaben, normale Blutdruckwerte zu haben.

Cholesterinspiegel

Über die Hälfte sämtlicher befragten Patienten konnten keine Angaben zu ihrem Cholesterinspiegel machen, wobei mit Abstand die jüngeren Frauen, gefolgt von den jüngeren Männern keine Ahnung davon hatten.

Einen zu hohen Cholesterinspiegel gaben die unter 50 jährigen Frauen mit 7 % mehr als dreimal so oft wie die unter 50 jährigen Männer an, die älteren Frauen hatten mit 21 % doppelt so häufig wie die älteren Männer erhöhte Cholesterinwerte.

Diese Ergebnisse weichen von denen der Monica-Studie (7) insofern ab, als dort bei den jüngeren Männern höhere Werte als bei den jüngeren Frauen gefunden wurden. Bei den über 50 jährigen Personen waren auch in der Monica-Studie bei einem definierten Grenzwert von 6,7 mmol/l die Frauen öfters hypercholesterinäm. In einer anderen Studie (23) wurde die Verbreitung der Hypercholesterinämie auf 7,4 % bei den Männern und 8,4 % bei den Frauen geschätzt bei einem Grenzwert für Hypercholesterinämie von 7,25 mmol/l. Gefunden hatte man in letztgenannter Studie mit dieser Untersuchung vergleichbare Werte von 12,1 % bei Männern und 18 % bei Frauen zwischen 45 und 69 Jahren. In der vorliegenden Befragung gaben 11 % Männer und 21 % Frauen über 50 Jahren zu hohe Cholesterinwerte an. Umgerechnet 5,3 % Männer und 2,3 % Frauen zwischen 16 und 44 Jahren hatten erhöhte Cholesterinwerte in der zum Vergleich herbeigezogenen Studie (23), hingegen gaben in dieser Untersuchung hier 2 % der jüngeren Männer und 7 % der jüngeren Frauen an, an Hypercholesterinämie zu leiden.

Teilweise mögen diese unterschiedlichen Ergebnisse durch die verschiedene Definition des Grenzwertes, was als Hypercholesterinämie zu gelten hat, bedingt sein, was aber die vertauschten Werte zwischen Männer und Frauen in der jüngeren Altersklasse im Vergleich mit oben angeführten Studien in keiner Weise zu erklären vermag. Möglich wäre, dass zufälligerweise mehr jüngere Frauen mit Hypercholesterinämie im relativ kurzen Zeitraum der Befragung im Wartesaal der Medizinischen Poliklinik Zürich anwesend waren, was dann in Anbetracht des eher kleinen Totalkollektivs das Ergebnis mitbeeinflusst hätte.

Folgen

Eindeutig am besten informiert waren die befragten Personen über mögliche Folgen von Übergewicht (56,5 % positive Antworten). Am wenigsten gut orientiert waren sie über Folgen der Hypercholesterinämie, hier gaben nur 36 % aller Befragten korrekte Antworten. Salz und Zucker lagen bezüglich Kenntnis möglicher Konsequenzen von zu hoher Aufnahme zwischen den genannten Prozentsätzen. In einer amerikanischen Studie (20) identifizierten 84,4 % der Befragten Übergewicht und 81,9 % Hypercholesterinämie als kardiovaskuläre Risikofaktoren. Diese weit höheren Prozentzahlen erklären sich dadurch, dass der Befragung der US-Studienteilnehmer in den Gemeinden eine vierwöchige Informationskampagne via Massenmedien vorausgegangen war.

In der vorliegenden Studie waren die unter 50 jährigen Patienten bei Übergewicht, Salz, Cholesterin und Zucker in der Regel besser über mögliche Folgen informiert als die älteren Befragten. Die einzige Ausnahme bildeten die älteren Männer beim Zucker mit über 10 % mehr korrekten Antworten mögliche Konsequenzen erhöhter Aufnahme betreffend, als dies bei den jüngeren Männern der Fall war, was sehr gut zum Umstand passt, dass es ebenfalls die älteren Männer waren, die mit 78 % vor allen anderen Befragten auf die Menge zugeführten Zuckers achteten.

Beim Übergewicht waren die unter 50 jährigen Männer besser informiert als die unter 50 jährigen Frauen, hingegen wussten mehr ältere Frauen als ältere Männer über Folgen Bescheid.

Mögliche Folgen übermässiger Salzzufuhr waren gut der Hälfte aller jüngeren Befragten bekannt, ohne dass ein grosser Unterschied zwischen Männern und Frauen festzustellen war. Bei den älteren Personen waren es jedoch mehr als doppelt so viele Frauen (38 %) wie Männer, die richtige Folgen zu nennen wussten.

Beim Cholesterin waren mit Abstand die unter 50 jährigen Frauen am besten über mögliche Konsequenzen informiert (47 %), dann folgten die jüngeren Männer vor den älteren Frauen und an letzter Stelle, mit 28 % korrekten Antworten, kamen die über 50 jährigen Männer.

Eigentlich müsste man annehmen, dass das Kennen möglicher Folgen irgendeines Faktors zu einer entsprechenden Verhaltensänderung führt, wenn der einzelne Mensch die Konsequenzen als genügend gravierend für sich selbst erachtet.

Bemerkenswert ist nun aber, dass viel mehr befragte Personen auf die Ernährung allgemein und im Speziellen achteten, als mögliche Folgen zu hoher Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel kannten. Offenbar genügt also schon das blosse Wissen, dass etwas ungesund ist, ohne genauere Kenntnis der Konsequenzen, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen.

Die Bevölkerung scheint demzufolge in weiten Kreisen ungefähr über gesunde Ernährung Bescheid zu wissen, respektive hat Kenntnis von Nahrungsmitteln, die krank machen können. Allerdings ist dieses Wissen ungenügend und oft sehr oberflächlich.

Interessant ist auch, dass zwar mehr ältere Personen in der vorliegenden Befragung auf die Aufnahmemenge bestimmter Nahrungsmittel achteten, aber viel seltener mögliche Folgen kannten. Ebenso erstaunt, dass, obwohl mehr unter 50 Jährige genaue Konsequenzen angeben konnten, weniger jüngere als ältere Befragte auf die Ernährung allgemein und im Speziellen achteten.

Dies ist mit grösster Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, dass sich viele der jüngeren Altersgruppe noch gesund fühlen und so für sie kein aktueller Anlass zu einer Verhaltensänderung besteht.

Ernährungsberatung

Drei Viertel aller befragten Personen gaben an, für Empfehlungen bezüglich gesünderer Lebensweise aufgeschlossen zu sein, dies mit 81 % vor allem die jüngeren Männer und Frauen.

Das heisst, dass zu den durchschnittlich 63,6 % der unter 50 Jährigen, die auf Kalorien-, Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme achten, noch fast 20 % durch entsprechende gesundheitsorientierte Ernährungsinformation hinzugewonnen werden könnten.

Bei den über 50 Jährigen sieht es da aber schon ganz anders aus. Hier scheint das Kapital derjenigen, die Empfehlungen berücksichtigen würden, nämlich 62,5 %, bereits voll ausgeschöpft, waren es doch durchschnittlich 74,7 % ältere Befragte, die Kalorien-, Salz-, Fett- und Zuckerzufuhr beachteten.

Gut 10 % mehr Männer als Frauen über 50 Jahren wären bereit, sich für die Gesundheit von gewohnten Lebensformen abbringen zu lassen.

Bei den älteren Frauen waren es nur gerade 57 %, also etwas mehr als die Hälfte.

Insgesamt besuchten oder hatten knapp ein Fünftel aller Befragten eine Ernährungsberatung besucht, die über 50 Jährigen doppelt so oft wie die jüngeren Personen. Am häufigsten waren dies mit 29 % die älteren Frauen.

Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit obiger Feststellung, dass nur etwas mehr als die Hälfte aller über 50 jährigen Frauen für Empfehlungen aufgeschlossen sind, weswegen die Befragten dieser Kategorie besonders gut und gründlich informiert werden müssen, damit sie sich zu einer gesünderen Lebensweise entschliessen. Die meisten Menschen besuchen ja eine Ernährungsberatung nur aufgrund ärztlicher Empfehlung, das heisst also erst auf Druck von aussen hin.

Kampagnen in den USA haben gezeigt, dass mit guter Aufklärung, welche schon bei Schulkindern ansetzt (10), mit Gesundheitsinformation via Massenmedien, mit Kursen und persönlicher Beratung (19, 9) Veränderungen im Ernährungsverhalten und der Lebensweise erreicht werden können und damit eine Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren.

ZUSAMMENFASSUNG

Herz- und Kreislauferkrankungen sind in den industrialisierten Ländern die häufigsten Todesursachen. Als Hauptrisikofaktoren sind in erster Linie Hypertonie, Hypercholesterinämie, Rauchen, Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität zu nennen. All diese Faktoren sind weitgehend durch die Ernährungs- bzw. Lebensweise beeinflussbar.

Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, anhand eines anonymen Fragebogens die Selbsteinschätzung von Patienten der Medizinischen Poliklinik Zürich bezüglich gesundheitsbewusster Ernährung und Lebensweise und deren Kenntnis kardiovaskulärer Risikofaktoren zu prüfen.

Insgesamt wurden 200 Patienten jeden Alters und jeder Nationalität befragt, davon je 100 Frauen und 100 Männer. Nebst der Aufteilung des Patientenguts in weibliche und männliche Untersuchungsteilnehmer unterteilte man dieselben noch in zwei Altersgruppen (15 – 49 Jahre und 50 – 85 Jahre).

Die grosse Mehrheit der befragten Patienten achtete auf die Ernährung im Allgemeinen und auch im Speziellen, die Frauen generell etwas häufiger als die Männer. Die Befragten achteten in absteigender Reihenfolge auf die Menge aufgenommenen Zuckers, dann folgten Salz, zugeführte Fettmenge und an letzter Stelle die Kalorien.

Auf Salz-, Fett- und Zuckeraufnahme achteten vor allem die über 50 jährigen Patienten. 68,5 % aller Befragten benutzten pflanzliche anstelle von tierischen Fetten, die Männer etwas häufiger als die Frauen, über 50-Jährige häufiger als unter 50-Jährige.

64,5 % aller Befragten glaubte, ihre durchschnittliche tägliche Kalorienzufuhr zu kennen, wovon sich 36,5 % bei einer täglichen Kalorienzufuhr zwischen 1500 und 2500 kcal einschätzte, was in Anbetracht von 32 % übergewichtiger Patienten sicher zu wenig ist. Man kann sagen, dass die Einschätzung des Kaloriengehalts von Speisen den meisten Menschen Mühe bereitet, obwohl die Nahrungsmittelindustrie seit Jahren die Verpackungen mit Kalorienangaben über den Inhalt versieht.

85 % der befragten Patienten kannte ihr Blutdruckverhalten, 45 % konnten sogar einen genauen Wert angeben. Hingegen konnten beim Cholesterinspiegel über die Hälfte aller Befragten keine Angaben dazu machen, dies mit Abstand die jüngeren Frauen, gefolgt von den jüngeren Männern.

Eindeutig am besten informiert waren die befragten Personen über mögliche Folgen von Übergewicht, am wenigsten gut orientiert waren sie über Folgen der Hypercholesterinämie. Die unter 50 jährigen Patienten waren bei Übergewicht, Salz, Cholesterin und Zucker in der Regel besser über mögliche Folgen orientiert als die älteren Befragten.

Insgesamt bemerkenswert ist, dass viel mehr befragte Personen auf die Ernährung allgemein und im Speziellen achteten, als mögliche Folgen von zu hoher Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel kannten.

Offenbar genügt also schon das blosse Wissen, dass etwas ungesund ist, ohne genauere Kenntnis der Konsequenzen, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Aufgrund der vorliegenden Untersuchung scheint die Bevölkerung in weiten Kreisen ungefähr über gesunde Ernährung, respektive potentiell krankmachende Nahrungsmittel Bescheid zu wissen, allerdings ist dieses Wissen ungenügend und oft oberflächlich. Interessanterweise achteten zwar mehr ältere Personen auf die Aufnahmemenge bestimmter Nahrungsmittel, kannten aber viel seltener als die Jüngeren mögliche Folgen.

Ebenso erstaunt, dass, obwohl mehr unter 50 Jährige genaue Konsequenzen angeben konnten, weniger jüngere als ältere Befragte auf die Ernährung allgemein und im Speziellen achteten, was mit grösster Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen ist, dass sich viele der jüngeren Altersgruppe noch gesund fühlen und so für sie kein aktueller Anlass zu einer Verhaltungsänderung besteht.

LITERATURANGABEN

  1. Epstein FH, Pisa Z. International comparisons in ischemic heart disease mortality. In: Havlik RJ, Feinleib M, eds. “Proceedings of the Conference on the Decline in Coronary Heart Disease Mortality” Bethesda, Md: US Dept of Health, Education and Welfare; 1979: 58 – 90. National Institutes of Health publications 79 – 1610
  2. Maccoby N, Farquhar JW, Wood PD, Alexander J. Reducing the risk of cardiovascular disease: Effect of a community-based campaign on knowledge and behavior. J Comm Health 1977; Vol. 3, No. 2 : 100 – 114
  3. National Center for Health Services Research. “Advance Report. Mortality Statistics. “ US Dept of Health, Education and Welfare, Public Health Service, DHEW Publication No. 78 – 1120, Bethesda, Md, 1978.
  4. Bundeskanzleramt. Österreichisches Statistisches Zentralamt (1978) Bericht über das
  5. Farquhar JW, Fortmann SP, Maccoby N, et al. The Stanford Five-City Project: design and methods. Am J Epidemiol.  1985; 122: 323 – 334
  6. Strasser T. Utilisation du concept de facteur de risqué en pathologie cardiovasulaire. Rev. Epidém. Santé publ. 24, 301 – 311 (1976)
  7. MONICA-Suisse : Première enquête de population dans les cantons de Vaud, Fribourg et Tessin 1984 – 1986. Separatdruck aus « Sozial- und Präventivmedizin » No. 2 (1987), Druck und Verlag Vogt-Schild AG
  8. Wagner U, Schroeder W. Gesundheitsverhalten und kardiovasuläre Risikofaktoren bei Frauen in Abhängigkeit von ihrem Familienstand. Z. Ges Inn Med, Jahrg. 45 (1990) Heft 5: 125 – 128
  9. Farquhar JW, Fortmann SP, Flora JA, et al. The Stanford Five-City Project: Effects of Communitywide Education on Cardiovascular Disease Risk Factors. JAMA Jul 18 (1990) Vol. 264, No. 3: 359 – 365
  10. Walter HJ, Wynder EL. The Development, Implementation, Evaluation and Future Directions of a Chronic Disease Prevention Program for Children: The “Know Your Body” Studies. Prev Med 18 (1989): 59 – 71

Fragebogen an die Patienten

Achten Sie auf die Menge Zucker, die Sie täglich zu sich nehmen?

Benutzen Sie künstliche Süssstoffe wie Assugrin, Hermesetas, resp. ziehen Sie Light-Getränke vor?

  1. Regelmässig
  2. Manchmal
  3. Nein

Kennen Sie mögliche Folgen von zu hoher Einnahme von Zucker?

Wenn ja, welche?

Wie ist ihre Verdauung?

a) normal, habe regelmässig Stuhlgang

b) neige zu Verstopfung

c) nehme Abführmittel

Nehmen Sie Vitamin-Präparate?

  1. das ganze Jahr hindurch
  2. nur im Winter
  3. nur im Sommer
  4. nein

Sind Sie wegen einer oder mehrerer der folgenden Beschwerden in ärztlicher Behandlung?

  1. Bluthochdruck
  2. Herzbeschwerden
  3. Diabetes (Zuckerkrankheit)
  4. Fettstoffwechselstörung (zuviel Cholesterin)
  5. Übergewicht
  6. Andere

Wenn Sie f) angestrichen haben, was?

Gehen Sie / gingen Sie früher einmal zu einer Ernährungsberatung?

Würden Sie Empfehlungen bezüglich gesünderer Lebensweise befolgen oder sind Sie im allgemeinen schwer von Lebensgewohnheiten abzubringen?

  1. Berücksichtige Empfehlungen
  2.  Ändere Gewohnheiten schwer

Alter: _______ Jahre                     – Geschlecht: männl. _______ weibl. _______

  • Gewicht: _______ kg     – Grösse: _______ cm
  • Beruf: gelernt: ____________________________________________
  • Jetzige Tätigkeit: __________________________________________
  • Körperliche Aktivität: schwer _______, mässig _______, leicht______
  • Treiben Sie Sport? ja _______   nein _______
  • Wenn ja, was? ____________________________________________
  • Wie oft?             
  • täglich
  • 1 – 3mal pro Woche
  • 1 – 3mal pro Monat
  • sehr selten

Wieviele Stunden schlafen Sie durchschnittlich innerhalb von 24 Stunden? __________

Sind Sie:             

a)            Raucher

  • Wieviele Päckli pro Tag? _______
  • Seit wieviel Jahren? ___________

b)           Ex. Raucher

                – Wieviele Päckli pro Tag?

                – Während wievieler Jahre?

  • Nichtraucher

Konsumieren Sie alkoholische Getränke?

Wenn ja: Bier                    a) täglich

                                               b) 1 – 3mal pro Woche

                                               c) selten

                Wieviele Gläser: ______________________________

                : Wein                   a) täglich

                                               b) 1 – 3mal pro Woche

                                               c) selten

                Wieviele Gläser: _______________________________

                : Schnaps:            a) täglich

                                               b) 1 – 3mal pro Woche

                                               c) selten

                Wieviele Gläser: _______________________________

Nehmen Sie:      : Kopfschmerzmittel

  1. täglich
  2. 1 – 3mal pro Woche
  3. 1 – 3mal pro Monat
  4. 1mal pro Halbjahr

: Schlaftabletten

  1. täglich
  2. 1 – 3mal pro Woche
  3. 1 – 3mal pro Monat
  4. 1mal pro Halbjahr

: andere Medikamente

  1. täglich
  2. 1 – 3mal pro Woche
  3. 1 – 3mal pro Woche
  4. 1mal pro Halbjahr

Welche?              _________________________________________

                                _________________________________________

VIELEN  DANK FÜR’S  AUSFÜLLEN !

CURRIVULUM  VITAE

  • Geboren am 5.5.1966 in Basel
  • Aufgewachsen in Reinach, Kanton Baselland
  • 1971: Kindergarten Reinach
  • April 1972 – 1977                            : Primarschule Aumatt, Reinach
  • April 1977 – Sommer 1980          : Progymnasium Bachmatt, Reinach
  • August 1980 – Sept. 1984            : Kantonsschule Rämibühl, RG, Zürich
  • September 1984                              : Matura Typ B
  • Okt. 1984- Okt. 1991                      : Medizinstudium an der Universität Zürich
  • Sommer 1991                                   : Staatsexamen an der Universität Zürich

DANKSAGUNG

Ich möchte allen, die mir bei der Erstellung der Dissertation behilflich waren, ganz herzlich danken, insbesondere meinem Doktorvater Herrn Prof. W. Vetter und Frau Dr. D.Edmonds für ihre grosse Geduld und die Zeit, die sie sich genommen haben, um mich in meiner Arbeit zu unterstützen.

Ebenso danke ich meinem Vater für die freundliche Zurverfügungsstellung des PC-Arbeitsplatzes und Herrn R.Wild für seine uneigennützige Hilfe bei der Einführung in die Textverarbeitung.

Zürich, im Dezember 1991

11.09.2015

IV-Stelle Luzern

Frau M. Wilhelm

Fachperson Komplexfälle

Landenbergstrasse 35, Postfach

6002 Luzern 2

Selbstanzeige: Überprüfung der Invalidenrente führte zur Meldung der Fehldiagnose am 29.09.2014 (handgeschriebener Brief vom 02.09.2015)

Sehr geehrte Frau Wilhelm

Vielen Dank für Ihre schriftlichen Anfragen betreffend der Rücksendung des Fragebogens „Revision der Invalidenrente“ vom 14.01.2015, vom 23.06.2015 und vom 19.08.2015. Die Beantwortung Ihres Fragebogens nahm viel mehr Zeit in Anspruch, als von Ihnen verlangt.

Dieser Fragebogen konnte nicht besser und in kürzerer Zeit ausgefüllt werden, weil unüberwindbare juristische Gründe und medizinische Tatsachen neu überprüft werden müssten, um wahrheitsgetreu und vollständig auf Ihre Fragen einzugehen und korrekt zu antworten. Insbesondere befasste ich mich eingehend mit der Diagnose, welche anfangs 1992, während der Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik in Embrach von der damaligen Assistenzärztin gemacht worden war und welche offensichtlich aufgrund vielerlei Hinsichten nicht stimmen kann.

Pikanterweise geriet ich seit Mitte Juli 2015 in einen abrupten finanziellen Engpass, weil ich die Jahresabonnemente im Betrage von über CHF 1‘300.—finanzieren musste; damit wir gültige Fahrausweise in Zahnrad- und Luftseilbahnen vorweisen können. Für die beiden Schulkinder wurden die notwendigen Auslagen den Kosten für den Mittagstisch verrechnet, den zu begleichen auch nicht möglich ist, weil uns gemäss Verfügung der EL vom 22.07.2015 die Ergänzungsleistungen in der Höhe von CHF 1‘400.– / Monat nicht mehr ausgerichtet werden.

Diese finanziellen Schwierigkeiten führten im Vormonat zu viel Stress und Existenzängsten, die sich ähnlich bemerkbar machten wie jene im Dezember 1991, als ich von meinem ersten WK in der Schweizer Armee am Antrittstag wieder entlassen wurde. Gleich wie der Stress und die Appetitlosigkeit der letzten Wochen führte auch der erste Nervenzusammenbruch in die Psychiatrische Klinik. Der Eintritt von letzter Woche erfolgte im Gegensatz zu jenem von 1991 auf freiwilliger Basis.

Bei der Anamnese vom 08.01.1992 stellte ich bei meinen Recherchen und Ermittlungen gravierende Mängel fest: Auf diese im Detail einzugehen würde nun den Bogen des mir gegenwärtig nervlich Zumutbaren vollends überspannen. Stichwortweise erhalten Sie einen Überblick:

  • Hunger resp. Appetitlosigkeit bei Eintritt
  • Heisshunger während des Klinikaufenthalts
  • Unterzuckerung vor dem Zusammenbruch
  • Bei den Einlieferungen von 1991/92 erfolgten unrichtige Angaben bezüglich des Vorkommens von Schizophrenie in der Familie (diese Krankheit kommt bei uns weder väterlicher- noch mütterlicherseits vor)
  • Der Morbus Bechterew wurde nicht aufgeführt, nicht gemeldet
  • Die Dienstuntauglichkeit wurde ebenfalls nicht gemeldet
  • Die Assistenzärztin, Frau Dr. med. Karin Oberbörsch, hatte 1991 habilitiert und hatte noch gar keine Erfahrung in der Psychiatrie
  • Mein Hausarzt, Dr. med. Pierre-Albert Bozzone, Wangen bei Dübendorf, wurde nicht kontaktiert
  • Der Gentest (HLA-B27) wurde nicht erwähnt
  • Etc. etc.

Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich fest, dass anfangs 1992 eine Fehldiagnose gestellt wurde. Es tut mir leid, dass ich damals mich nicht äussern konnte, dass ich gerne weiterhin Militärdienst geleistet hätte; es tut mir leid, dass ich auch den M. Bechterew nicht gemeldet hatte. Ich war am Ende meiner Nerven.

Hier in St. Urban will man diese damals gestellte Diagnose nicht revidieren. Man schickt mich ohne eingehende Prüfung am Donnerstag, den 03.09.2015 und unverrichteter Arbeit wieder nach Hause.

Die Problematik der Offenlegung von Gentests im Versicherungsbereich ist hinlänglich bekannt.

Bitte haben Sie Verständnis, dass diese Eingabe handschriftlich erfolgt. Für die verspätete Eingabe bitte ich um Verständnis.

Meinen Auskunfts- und Mitwirkungspflichten bin ich insbesondere durch den freiwilligen stationären Aufenthalt in die „Lups“ sicherlich nachgekommen.

Mit freundlichen Grüssen

Fabian Bucher

Diverse Beilagen P. S.    Als eingescannten Anhang erhalten Sie die Seite 2 des Formulars „Revision der Invalidenrente“, welche bei der Eingabe vom 02.09.2015 noch nicht dazu gesandt wurde.

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